Einführung
Leistungen von Sportvereinen sind in der Regel steuerbefreit (§ 4 Nr. 22 Buchst. b UStG). Nach bisheriger Rechtsprechung des BFH und nach Auffassung der Finanzverwaltung ergibt sich die Steuerfreiheit daraus, dass die Leistungen der Sportvereine regelmäßig als steuerbefreite Sportveranstaltungen anzusehen sind. Entsprechend steht den Sportvereinen auch kein Vorsteuerabzug aus getätigten Investitionen zu.

Neues Urteil
Der BFH urteilte entgegen seiner bisherigen Rechtsprechung im Falle eines Luftsportvereins, dass dieser mit seinen Leistungen nicht unter die nationale Steuerbefreiung falle. Der Verein überließ den Mitgliedern u. a. die vereinseigenen Flugzeuge zur Nutung und erteilte Flugunterricht gegen Entgelt. Der BFH subsumiert diese Leistungen nun nicht mehr unter den Begriff „sportliche Veranstaltung“.
Aufgrund der steuerpflichtigen Überlassung der Flugzeuge steht dem Verein der Vorsteuerabzug zu. Der BFH schließt allerdings nicht aus, dass die Mitgliedsbeiträge ebenfalls als steuerpflichtiges Entgelt für diese Leistungen anzusehen sind, sofern die Einnahmen aus der Nutzung der Flugzeuge nicht kostendeckend sind.
Ferner weist der BFH darauf hin, dass die Steuerbefreiung nach den Vorschriften der Mehrwertsteuersystemrichtlinie für Sport und damit eng verbundene Dienstleistungen wesentlich weiter gefasst ist als die nationale Vorschrift. Demnach käme bei Berufung auf die Richtlinie eine Steuerbefreiung für den Verein in Betracht, was jedoch nicht im Interesse des Vereins lag.

Konsequenz
Vereine, die Leistungen erbringen, die nach der geänderten Rechtsprechung des BFH nicht mehr steuerbefreit sind, eröffnet sich ggf. ein Wahlrecht. Sie können der Besteuerung die nationale Regelung zu Grunde legen, mit der Folge der Umsatzsteuerpflicht und korrespondierendem Vorsteuerabzug oder sie berufen sich auf die Steuerfreiheit nach der Mehrwertsteuersystemrichtlinie. Ein Vorsteuerabzug entfällt dann.

Quellen und weiterführende Hinweise
BFH, Urteil v. 9.8.2007, V R 27/04, DStR 2007 S. 1719; BFH, Pressemitteilung Nr. 84/07 v. 19.9.2007.
Entgegen: Abschn. 4 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 UStR 2005; Abschn. 22 Abs. 1 Satz 1 UStR 2005.
Vorinstanz: FG Köln, Urteil v. 29.5.2002, 7 K 8219/98, EFG 2004 S. 1800; EuGH, Urteil v. 21.3.2002, C-174/00, BFH/NV Beilage 2002 S. 95 Rz 40, 42; Steuerbefreiung nach der MwStSystRL: Art. 132 Abs. 1 Buchst. m MwStSystRL.