Einführung
Erbringen Unternehmen Dienstleistungen mit Auslandsbezug, ist zu klären, ob diese Dienstleistungen im In- oder Ausland umsatzsteuerlich erfasst werden. Hierzu ist Voraussetzung, dass bekannt ist, was für eine Dienstleistung überhaupt erbracht wird. Dies klingt einfach, ist es aber meistens nicht.

Fall
Ein Steuerberater wurde als gerichtlich bestellter Testamentsvollstrecker und Nachlasspfleger tätig. Die Erben hatten ihren Wohnsitz außerhalb der Europäischen Gemeinschaft. Strittig war, ob der Steuerberater seine Leistung im Inland oder Ausland erbrachte. Entscheidend hierfür war die Frage, ob die Testamentsvollstreckung eine berufstypische Tätigkeit eines Steuerberaters darstellt. In diesem Fall würde sich der Leistungsort am Wohnsitz des Leistungsempfängers (Drittland) orientieren, anderenfalls nach dem Ort, von dem der Steuerberater aus sein Unternehmen betreibt (Inland).

Urteil
Nach Ansicht des BFH handelt es sich bei der Testamentsvollstreckung nicht um eine berufstypische Tätigkeit eines Steuerberaters oder eine dieser ähnlichen Tätigkeit. Der Steuerberater erbringt daher mit der Testamentsvollstreckung eine im Inland steuerbare Leistung.

Konsequenz
Das Urteil des BFH wird durch den EuGH bestätigt. Dieser hatte entschieden, dass die Testamentsvollstreckung weder bei Rechtsanwälten noch bei Steuerberatern eine berufstypische oder dieser ähnlichen Tätigkeit darstellt. Das Urteil gilt gleichermaßen für Tätigkeiten als Nachlasspfleger und hiermit verbundenen Aufgaben, z. B. die Ermittlung der Erben.

Quellen und weiterführende Hinweise
BFH, Urteil v. 3.4.2008, V R 62/05, DStR 2008 S. 1230; Vorinstanz: FG Baden-Württemberg, Urteil v. 20.10.2004, 13 K 16/01, EFG 2006 S. 1372; EuGH, Urteil v. 6.12.2007, C-401/06.