Kernproblem
Nach der neueren Rechtsprechung des BFH können Aufwendungen für eine Bildungsmaßnahme Werbungskosten sein, sofern sie beruflich veranlasst sind. Es kommt für die steuerliche Berücksichtigung nicht darauf an, ob ein neuer, ein anderer oder ein erstma-liger Beruf ausgeübt werden soll. Der erforderliche Veranlassungszusammenhang kann bei jeder beruflichen Bildungsmaßnahme erfüllt sein.

Rechtslage
Bislang höchstrichterlich noch nicht ausdrücklich entschieden war, ob auch die Kosten für ein im Anschluss an das Abitur durchge-führtes Hochschulstudium auf der Grundlage der neuen Rechtsprechung zur steuerlichen Berücksichtigung von Bildungsaufwen-dungen zum Werbungskostenabzug führen können. Nach gängiger Praxis der Finanzverwaltung wurde dies mit der Begründung abgelehnt, dass zwischen Hochschulstudium und der künftigen Berufstätigkeit grundsätzlich kein ausreichender Veranlassungszu-sammenanhang bestehe.

Entscheidung
Der BFH hat nunmehr im Fall eines Studiums der Wirtschaftswissenschaften (Berufsziel Diplom-Ökonom) entschieden, dass die gleichen Grundsätze für ein im Anschluss an das Abitur durchgeführtes Hochschulstudium gelten und diese Aufwendungen zum Werbungskostenabzug führen können. Es bestehe kein Grund, insoweit zwischen einer akademischen und einer nicht akademi-schen Bildungsmaßnahme zu unterscheiden. Denn in beiden Fällen würden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass der Steuerpflichtige das erworbene Berufswissen am Markt einsetzen könne, um steuerpflichtige Einnahmen zu erzielen.

Konsequenz
Zu beachten ist, dass sich die Rechtslage ab dem Veranlagungszeitraum 2004 geändert hat. Nach Änderung des Einkommens-teuergesetzes dürfen Aufwendungen für ein Erststudium außerhalb eines Dienstverhältnisses nicht mehr als Werbungskosten ab-gezogen werden; diese Aufwendungen können nur noch jährlich bis zu 4.000 EUR als Sonderausgaben zum Abzug gelangen. Für die vorherigen Veranlagungszeiträume sollte für alle Betroffenen die Abgabe einer Steuererklärung zur Rettung von Verlustvorträ-gen angedacht werden. Nach einer weiteren Entscheidung des BFH kann ein erstmaliger Bescheid über die Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs bis zum Ablauf der Feststellungsfrist auch dann noch erfolgen, wenn eine Veranlagung zur ESt vom FA wegen Ablaufs der zweijährigen Antragsfrist bestandskräftig abgelehnt worden ist. Demnach besteht heute noch die Möglich-keit, die Feststellung der Verluste rückwirkend bis einschließlich zum Jahr 1999 zu beantragen.

Gesetzeslage, Rechtsprechung und Verwaltungsauffassungen
BFH, Urteil v. 20.7.2006, VI R 26/05; zur Verjährung der Verlustfeststellung BFH, Urteil v. 1.3.2006, XI R 33/04.